Aufbrechen oder bleiben im Alter?

Ursula, du bist 2018 von Lüdenscheid nach Lemgo gezogen. Deine eigentliche Heimat ist das Sauerland. Was hat dich bewogen, mit 76 Jahren nach Lemgo zu ziehen?



Keines meiner Kinder wohnt in der Nähe von Lüdenscheid, und das Leben fiel mir dort aus gesundheitlichen Gründen schwer. Daraus resultierte im März 2018 die Überlegung, nach Lemgo zu ziehen, weil eine meiner Töchter in Lemgo lebt. Kurzfristig konnte mir die Wohnbau eine Wohnung anbieten, und so zog ich schon im Juli 2018 um.

Wie ist es dir nach dem Umzug ergangen?

In meiner Kirchengemeinde in Lüdenscheid war ich in verschiedenen Bereichen aktiv. Ich betreute einen Büchertisch, war in verschiedenen Kreisen und im Chor aktiv. In Lemgo gab es für mich nichts zu tun und ich hatte das Gefühl, Urlaub zu haben. Diese „Urlaubsphase“  ging vorbei und mir wurde klar, dass ich alles hinter mir gelassen hatte und hier neue Wurzeln schlagen muss. Es gibt ja den Spruch: „Einen alten Baum verpflanzt man nicht.“ – Aber neue Wurzeln müssen sich erst bilden.

Im welchem Alter wage ich mich in die Fremde?

Wie haben sich bei dir die „neuen Wurzeln“ gebildet?

Nachdem ich mich über die Gemeinden in Lemgo informiert hatte, habe ich die Pauli-Gemeinde besucht und festgestellt, dass die geistliche Ausrichtung der Gemeinde am besten zu mir passt. Momentan bin ich auf der Suche nach einem passenden Hauskreis für mich. Ich habe bereits Hauskreise besucht und auf diesem Weg Menschen kennengelernt. Auch die gegenseitige Einladung der Hauskreise hat dazu beigetragen, dass sich mein Bekanntenkreis vergrößert hat. Ebenso habe ich den Frauenkreis besucht und Menschen kennengelernt, die in meiner Umgebung leben.

Und so führt ein Kontakt zum nächsten, z. B. kann ich beim gemeinsamen Kaffeetrinken nach dem Gottesdienst weitere Gemeindemitglieder kennenlernen.

Es hört sich so an als sei es dir nicht schwer gefallen „neue Wurzeln“ zu bilden.