ZU JUNG ? Wild und jung. Zahm, nur zahm?

Was den Propheten Jeremia mit der Generation Y oder Z verbindet…

Als ich im Teenageralter zum Jugendkreis der Kirche ging, war mein Vater deswegen sehr irritiert. »Es kommt noch so weit, dann wirst du noch Pastorin«, sagte er zu mir. Ich antwortete ihm damals mit voller Überzeugung: »Da kannst du dir sicher sein: Das werde ich nie!«, war es doch für mich undenkbar, vor einer größeren Menschenmenge zu sprechen. Allein die Vorstellung überforderte mich.

Wie es sich gezeigt hat, hat mein Vater Recht behalten und ich Unrecht. Und auch wenn das, was er über meinen späteren Beruf mutmaßte, eher aus einer kritischen Haltung heraus kam, denke ich im Nachhinein: Mein Vater hat etwas in mir gesehen. Etwas, was für mich zu dem Zeitpunkt noch gänzlich ausgeschlossen war.

Im 7. Jahrhundert v. Chr. wird Jeremia, Sohn eines Priesters, von Gott angesprochen: »Zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt.« Für Jeremia, vielleicht gerade Anfang Zwanzig, ist das undenkbar: »Ach, mein Gott und Herr, ich kann nicht gut reden! Denn ich bin noch zu jung.« Er fühlt sich überfordert und für die Aufgabe ungeeignet. Doch Gott sieht etwas in ihm, was Jeremia noch verborgen ist. Denn schon vor seiner Geburt hatte Gott etwas für ihn im Sinn, er hatte da schon etwas mit ihm vor: »Ich kannte dich schon, bevor ich dich im Mutterleib geformt habe. Zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt.«

Gott hat einen anderen Blick auf uns als wir. Als unser Schöpfer kennt er die Möglichkeiten, die er in uns hineingelegt hat. Er hat schon früh viele wundervolle Ideen davon, wie wir sein werden und was wir in unserem Leben einmal bewirken können. Das finde ich sehr ermutigend, denn ob wir nun jung sind oder auch älter: wir neigen doch eher dazu, uns zu unterschätzen Gott neigt gefühlt dazu, uns zu überschätzen :-).

In Jeremia jedenfalls sieht Gott einen Propheten. Er traut ihm nicht nur viel zu er mutet ihm auch sehr viel zu! Doch Jeremia muss sich der Aufgabe nicht allein stellen, denn Gott verspricht ihm, an seiner Seite zu sein: »Ich bin mit dir und werde dich retten!« Es wird eine enge Zusammenarbeit mit Höhen und Tiefen, mit Klagen und Zweifeln. In allem geht Gott mit.

Ich finde Gottes Sicht und Art inspirierend und sehe darin auch eine Anregung dazu, wie wir als Ältere jungen Menschen begegnen.

Die junge Generation heute lebt in einer unsicheren Zeit – unsicher in Corona-Zeiten, unsicher aufgrund der drohenden Klimakatastrophe. Verunsichert sind die jungen Menschen auch, was ihre berufliche Zukunft betrifft, weil sie schier unendlich viele Möglichkeiten haben, aber die richtigen Entscheidungen für sich treffen sollen.

Wir können ihnen helfen, indem wir es so machen wie Gott gegenüber Jeremia. Sprechen wir ihnen zu, was wir ihn ihnen sehen! Unterstützen und ermutigen wir sie: »Das schätze ich an dir!« »Diese Stärken sehe ich in dir!« »Das machst du besonders gut!«

Und andersherum gibt es auch in der jungen Generation Prophetinnen und Propheten, die uns etwas zu sagen haben und dazu herausfordern, uns zu ändern. Sie heißen z.B. Greta und Luisa und neben ihnen gibt es (noch) viele Unbekannte.

Was mein Vater in mir gesehen hat, ist tatsächlich wahr geworden. Was Gott schon vor Jeremias Geburt in ihm gesehen hat, auch. Dass Gott sein Versprechen:»Ich bin mit dir!« wahrgemacht hat, hat Jeremia erlebt – und ich ebenso. Seine Zusage gilt auch den jungen Menschen. Und durch sie wird Gott noch viel bewirken.

CORA SALZMANN

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